Heimatkalender 1932 S. 57

Wer von Prenzlau kommend auf den Lindenberg bei Güstow halt macht und sein Auge weithin über die waldlose und hügelige Landschaft schweifen läßt, der gewahrt in nordwestlicher Richtung über Wilhelmshof die mit schwarzem Schiefer bedeckte Kirchturmspitze des in einer Talmulde liegenden Dorfes Schapow, das von Wilhelmshof über Dochower Mühle auf einem Landwege oder über Schönermark auf schattiger Chaussee zu erreichen ist. Eins der Kreisbahnautos führt uns in einstündiger Fahrt über Klinkow, Basedow, Güstow, Wilhelmshof und Schönermark hierher. Auch das Dampfroß der Kreisbahnlinie Prenzlau - Fürstenwerder bringt uns zur nächsten Bahnstation Rittgarten, von der aus in 25 Minuten auf gepflasterten Wege das Dorf zu erreichen ist. In eine wald- und wasserlose hügelige Landschaft ist das Dorf hineingestellt, und doch erinnert seine Lage von einer bestimmten Lage bzw. Stelle im Schulgarten in Christianenhof ausgesehen, an ein im Thüringerlande malerisch gelegenes Dorf oder ein reizendes Idyll des Malers Ludwig Richter. Schapow ist ein sehr altes Dorf, den Namen nach wendischen Ursprungs. Seine Einwohnerzahl ist nach einer Chronik sehr Wechsel unterworfen gewesen. So betrug sie:

1774 = 305
1803 = 298
1816 = 278
1840 = 565
1861 = 634
1880 = 571
1885 = 557
1890 = 530
1895 = 556
1900 = 554
1905 = 532
1910 = 502
1915 = 400
1920 = 402
1925 = 432

Schapow

Schapow (Aus Kunstdenkmäler der Provins Brandenburg, 1921)
◾Schapow, 10 km nordwestlich von Prenzlau.
◾Gemeinde 444 Einwohner und 975 ha.
Deutsche Kolonisten gründeten zu Beginn des 13. Jahrhunderts das Dorf und statteten es mit einer Gemarkung von 62 Hufen aus. Von denen 3 von vornherein der Kirche und der Pfarre zugewiesen wurden. Am 6. Januar 1372 kauften die Kalandsbrüder in "Primzelow" die Abgaben, die von einer Hufe des Hofbesitzer Hermann Arndt zu leisten waren. Und zur gleichen Zeit traten die Wulf "Dorpherrn zho Schapou" ihr Recht an 30 Hufen dem Prenzlauer Jungfrauenkloster ab (v. Arnimschen Urkundenbuch, Reg. 6 I, 1372). Über die von den Hufen im allgemeinen zu entrichtenden Abgaben berichtet das um 1375 entstandene Landbuch Kaiser Karls IV. Die Ritter Arnims, Holtzendorf, Schadebeck u.a.m. waren damals hier begütert. Wie aus einer Urkunde von 1309 hervorgeht, hatten die Nonnen zu Prenzlau gleichfalls großen Besitz (vgl. Urkunde vom 24. Juni 1408 im Prenzlauer Rathshaus). Da die Jungfrauen auch das Patronat besaßen, präsentierten sie 1491 dem Bischof zu Kamin einen Geistlichen. Nach der Reformation traten an die Stelle der Nonnen die Arnims und später gegen Ausgang des 17. Jahrhunderts die Schlippenbach zu Schönermark. Auf die Verwüstung die durch den 30jährigen Krieg angerichtet worden ward, wirft ein Bericht kurfürstlicher Kommissare von 1687 einhalber ein helles Licht, von 16 Kossätengüter 12, und noch 1699 werden alle Äcker als bewachsen bezeichnet. Im Laufe des 18. Jahrhunderts heilten die Wunden wieder, denn um 1809 saßen hier 16 Ganzbauern. Das Rittergut wurde wegen Zerstückelung 1856 in der Matrikel gelöscht. Patron der Kirche, einer Tochter von Schönermark, ist Graf Schlippenbach.
Der Ort Wittstock war einst eine auf einer wüsten Feldmark errichtete Schäferei des 16. Jahrhunderts. Das mittelalterliche Dorf gleichen Namens mit seinen 80 Hufen (für Prenzlauer Gegend ungewöhnlich viel) ist bereits 1298 urkundlich erwähnt, wurde nach 1409 wüst und nicht wieder aufgebaut. Der Rest des Dorfes, das zeitweilig als Städtchen bezeichnet wurde, ist die sehr große Kirchenruine am Wege Rittgarten nach Kraatz. An dieser Ruinenstelle ist mit mittelalterlichen Funden zu rechnen. Bollmannshof, Rügeshof und Fischershof sind vermutlich in der Separation entstandener Ausbauten. Eine 1907 an der Rittgartener Grenze erbaute Ziegelei ging 1945 wieder ein.
Ein Ortsteil von Schapow ist ferner die "Dochower Mühle". Dochow, im Mittelalter ein Dorf, das kurz nach 1375 wüst wurde, ist erstmalig 1253 erwähnt. Ein nach dem 30jährigen Krieg neu angelegtes Vorwerk zu Schönermark, ging kurze Zeit nach 1800 wieder ein. Dienördlich der alten Dorfstelle stehende Wassermühle (mittelalterliche lage) gehört heute zu Schaopw. Die alte Dorfstelle wird jetzt beackert.
(Aus der Privatsammlung des Herrn Hinrichs, Prenzlau)