Korl Schnee

Beim Dorfe Schapow stand früher ein einzelnes Gehöft, auf dem sich recht und schlecht ein kleiner Bauer durchbrachte.
Eines Tages hatte er zwei Goldstücke und drei Silberstücke auf seinem Acker gefunden. Erfreut brachte er seinen Fund nach Hause, zeigte ihn seiner Frau und gab ihr die beiden Goldstücke mit den Worten: "Die heb gut auf, die sollen für Korl Schnee sein." Das Silber steckte er in seine Hosentasche. Die Frau nahm die Holdstücke und verwahrte sie, um im Winter Geld zu haben. Die Worte sind in den Köpfen seiner Kinder geblieben und sie haben aufgepasst, wo die Mutter das Geld hinlegte. Jeden Abend wollten sie wissen, wann Korl Schnee käme um das Geld abzuholen. "Lass man Kinder, der kommt ganz gewiss.", sagte sie. Damit beruhigte sie die Kinder immer wieder.
Als es Herbst wurde, waren die Eltern auf de Felde bei der Ernte. Die Kinder mussten dann allein zu Hause bleiben. Sie nutzten die Zeit der Einsamkeit immer wieder um aus dem Fenster zu schauen, ob Korl Schnee nicht vorbei käme um die beiden Goldstücke abzuholen.
Wie sie nun an einem heißen Nachmittag wieder aus dem Fenster sahen, hörten sie von weitem ein fröhliches pfeifen. Es kam näher und stammte von einem jungen Zigeuner, der durch die Gegend wanderte. Kaum hatten die Kinder den Kerl erblickt, als sie auch schon einstimmig riefen: "Bist du Korl Schnee? Wir wissen wo deine Goldstücke liegen. Der Zigeuner ließ sich das nicht zweimal sagen. Er sagte, er sei Korl Schnee und die Kinder möchten ihm die beiden Goldstücke aus dem Fenster langen. Das taten sie auch. Vergnügt zog der Bursche weiter.
Am Abend kamen der Bauer und seine Frau müde nach Hause. Als die Kinder ihnen ihr Erlebnis erzählten, war alle Müdigkeit verschwunden über den Zorn. Sofort machte sich der Bauer mit den Kindern auf den Weg, um den Stromer einzuholen. Bald kamen sie an eine Kreuzung. Da ging der Bauer den einen, die Kinder den anderen Weg weiter. Es dauerte nicht lange, da führte ihr Weg durch einen hohen Wald. In ihrer Angst riefen sie bei jedem Schritt: "Korl Schnee wo bist du?" Aber nirgends kam eine Antwort.
So liefen sie in ihrer Angst immer weiter und schrien' sich die Kehlen heiser. Plötzlich rasuchte es im dichten Gebüsch neben ihnen und ein Riese mit mlangen weißem Bart steckte seinen Kopf aus den Zweigen. "Da bin ich ihr Nichtsbutze! Was wollt ihr? Was stört ihr meine Ruhe?" Schrie er die Kinder an. Bebend und zitternd erklärten die Kleinen dem Riesen ihr rufen.
"Ich bin zwar nicht Korl Schnee, sondern heiße Winter.", sagte der Riese, "Korl Schnee müsst ihr woanders suchen. Und jetzt stört mich nicht mehr mit eurem Lärm, sonst schlag ich euch tot." Verängstigt und stumm liefen die kleinen weiter bis zum nächsten Dorf. Dort sahen sie den Zigeunerjungen an einer Strohmiete schlafen. In der Hand hielt er die beiden Goldstücke. Leise schlichen sich die Kinder heran und nahmen ihm den Schatz weg. Dann liefen sie schleunigst den Weg zurück zu ihren Eltern.
Als es morgen wurde, erwachte der Zigeuner und sucht vergeblich nach seinen Goldstücken. Da er sie nicht fand, fing er furchtbar an zu fluchen und zu toben und ging den Weg zurück, weil er meinte, er müsse sie verloren haben. Was sollte er auch anderes tun? Als er in den Wald kam, suchte er schimpfend überall nach den Goldstücken. Da tat sich plötzlich das Gebüsch neben ihm auseinander. Eine behaarte Hand ergriff ihn und eine tiefe Stimme grollte: "Da bist du ja schon wieder. Jetzt fresse ich dich auf!"
Damit verschwand der Zigeuner und niemand hat mehr etwas von ihm gehört.