Die Kirche von Dochow

Dass in Dochow wirklich einmal ein altes Gotteshaus gestanden hat, kündet auch eine andere Überlieferung.
Ein alter Schönermarker Pastor hat es von seinem greisen Vorgänger gehört. Das muss wohl war sein. Der ging eines abends den Weg am Quillow entlang und sah vor sich ein Dorf mit einer Kirche. Alle Häuser waren dunkel und ganz klein. Nur in der ebenso kleinen Kirche brannte noch Licht. Doch den alten Pastor schien so, als er ob das Dorf niemals gesehen hätte. Er meinte er hätte sich verirrt und glaubte, dass ihm die Leute in der Kirche wohl am besten Bescheid sagen könnten.
So ging er auf die Kirchentür zu. Knarrend drehte sich die Tür in den Angeln. Der greise Pastor sah in eins von vielen Lichtern erleuchtetes Gotteshaus. Viele Menschen standen in den Bänken und sahen auf den Altar. Doch wie merkwürdig sahen alle diesen frommen Beter aus. Große Hauben trugen die Frauen und lange herabhängende Schnurrbärte hatten die Männer. Solche Leute gab es gewiss nicht mehr.
Wie der Pastor einem Mann der ihm zunächst stand anredet um ihn nach den Weg zu fragen, drehte sich der Mann herum. Nun erkannte der Pastor, dass der angeredete ja gar keine Augen mehr im Kopf hatte. Ein Grauen wollte den Fragenden überfallen, zumal sich sich nun alle anderen Kirchenbesucher nach ihm umdrehten und ihn mit ebenso leeren Augen ansahen. Dann kamen sie alle auf ihn zu und baten: "Bleib doch bei uns und sei unser Pastor in Dochow!"
Da der alte Seelenhirte nicht furchtsam war, versprach er ihnen wiederzukommen, wenn sie ihm jetzt erst mal den Weg nach Hause zeigten. Das taten die toten Kirchengängen dann auch. Ernst und nachdenklich kam der alte Pastor zu Hause an. Am nächsten Tage verabschiedete er sich von den seinen, und ging zu seiner neuen Gemeinde in Dochow. Und da ist er auch geblieben.
Wer heute noch in bestimmten Nächten über die Dochower Dorfstätte geht, kann es selbst sehen, wie dort inmitten der alten windschiefen Häuser ein ebenso altes Kirchlein steht. An ihrer Tür steht der alte greise Pastor und lädt zu einem Besuch des Kirchleins ein.