Die Dochower Mühle

(erzählt von Henriette Sopczyk, geb. Scheffer - Klockow 1912)


Von einem Dorf ist wenigstens noch ein Haus übrig geblieben. Die einstige Dorfstelle wird durch die Lage der Dochower Mühle gekennzeichnet. Verwehtes Leben! Hören wir auf die verwehenden Klänge aus der Vergangenheit...
In dem Dorf Dochow hat früher ein sehr geiziger Bauer gelebt. Seine Freunde und seine Feinde nannten ihn den Scheck. Das taten sie, weil er in seinem schwarzen Haar eine weiße Strähne hatte. Man auf ihn einen Vers gedichtet: "DER Scheck frisst seinen eigenen Dreck!" Das mochte war sein, war aber sicher nicht nett.
Eines Tages sind dem Bauern Scheck durch eine Krankheit oder durch sonst etwas gleich drei Kühe auf einmal gefallen. Was bedeutet dieser Verlust dem geizigen Bauern: Jammernd und klagend ging er durchs Dorf und erzählte jedem, ob er es hören wollte oder nicht, dass es nun mit ihm zu Ende sei. So traf er auf seinem Jammersweg auch einen ihm fremden Mann. Auch dem klagte er sein Leid. Da griff der Fremde wortlos in die Tasche und holte eine handvoll harter Taler heraus, bot sie dem Bauern an und sagte: "Ich will dir armen Mann helfen, dir das geld geben, damit du dir neue Kühe kaufen kannst. Nur - nach fünf Jahren musst du mir das Geld wiedergeben, sonst wirst du und samt dem Dorfe großen Schaden erleiden!"
Diesem Angebot konnte der Bauer nicht widerstehen. Eilig lief er mit dem Geld nach Hause und legte es zu den übrigen Talern in seiner Lade.
Er hätte das Geld gar nicht gebraucht, doch der Geizteufel ließ ihm keine Ruh'. Als nach fünf Jahren die Zeit des Zurückzahlens herankam, überlegte der Geizkragen, was wohl das klügste wäre um die Schuldenzahlung zu umgehen. Endlich hatte er es. Er fuhr an dem Fälligkeitstage nach Prenzlau zu seinem Vetter. Als er gegen Abend nach Hause fuhr, sah er schon von weiten einen hellen Schein am Himmel. Als er näher kam konnte er ganz deutlich erkennen, dass der rote Hahn über seinem Dorf stand. Vergebens peitschte er auf seine Pferde ein, er konnte nichts retten.
Als er in Dochow ankam, musste er sehen, dass von allen Häusern buchstäblich nichts mehr stand. Das wütende Feuer hatte alles gefressen. das Dorf ist auch nie wieder an seiner alten Stelle aufgebaut worden.