Der seltsame Alte

Da sollte eines Tages ein Mädchen aus Schapow am Quillow die Gänse hüten. traurig war es ihr ums Herz, denn ihre Mutter lag krank zu hause. gesenkten Hauptes zog sie mit ihren Gänsen zum Bach. Da sah sie Plötzlich ein altes Männlein, das immer gleichen Schritt mit ihr hielt. Schon bekam sie es mit der Angst und trieb ihre Gänse schneller voran. Doch der Alte wich nicht von ihrer Seite, ja er redete sie sogar an: "Schenk mir deine schönen goldenen Zöpfe", bat er, "ich schenke dir dafür diesen goldenen Ring." Er zeigte ihn und ließ den kostbaren Goldreif in der Sonne funkeln. Aber das Mädchen wollte nicht.
"Schön", meinte der Alte, "dann schenk ich dir diese Krone, die ich einst auf der Burg in Dochow getragen habe." Doch auch jetzt wollte das Mädchen ihren Haarschmuck nicht opfern. Selbst ein noch so herrliches Kleid, das der Alte ihr bot, konnte sie nicht bewegen ihre goldenen Flechten herzugeben.
"Dann sag mir was du dafür eintauschen möchtest?" sprach der Alte. Jetzt brauchte das Mädchen nicht mehr lange zu überlegen. Es blieb stehen, sah dem alten Männlein hart in die Augen und sagte: "Du sollst meine Zöpfe haben, wenn du meine Mutter gesund machen kannst!" Das gefiel dem Alten so sehr, dass er sich bückte und dem Mädchen einige Kräuter, die am Quillow standen, abpflückte und mit den Worten gab: "Behalte deinen Schmuck, geh' nach Hause und heile mit diesen Kräutern deine Mutter. Ich werde inzwischen auf deine Gänse aufpassen." Das ließ sich das Mädel nicht zweimal sagen. Nachdem es mit ihrer Mutter wirklich besser geworden war, rannte das Mädel am Abend fröhlich zum Quillow. Dort fand es den Alten, der getreu auf die Gänse geschaut hatte. Als das Kind sich nun für die Hilfe bedankte, schenkte ihm das alte Männlein noch obendrein den goldenen Ring, der sich noch lange in der Familie des Mädchens fort geerbt hatte.